Chaos überall

Die beiden Termine letzte Woche haben mich geschafft. Schon nach dem Gespräch am Dienstag war ich so erledigt, dass ich mich zu Hause erst einmal hingelegt habe. Dabei war gar nichts weiter, grade mal 10 Minuten unterhalten, nix Schlimmes passiert. Am Donnerstag mein Erstgespräch zum Ambulanten betreuten Wohnen lief auch ganz gut. Das dauerte allerdings anderthalb Stunden und war anstrengend. Doch der Mitarbeiter war sehr nett und verständnisvoll. Ich musste auch nichts von meinen Erlebnissen früher erzählen. Nur was ich jetzt für Probleme habe, wo ich konkret Hilfe brauche, wie meine soziale Lage, berufliche Situation aussieht usw.

Das ging eigentlich soweit ganz gut, meine Sozialarbeiterin war dabei und das hat mir Sicherheit gegeben, sie brauchte kaum was sagen. Nur manchmal, wenn ich nicht weiter wusste oder nicht reden konnte, hat sie kurz was gesagt.

Der Mitarbeiter hat auch angeboten, dass ich dann von einer Kollegin betreut werden könne, da ich von Traumaerfahrungen in der Kindheit berichtet hatte (also nur diese allgemeine Aussage). Das fand ich sehr gut. Er ist ja wirklich nett, doch die Sozialarbeiterin meinte hinterher auch, dass es besser wäre, mit einer Frau zusammen zu arbeiten, weil die Beziehungsarbeit doch sehr intensiv werden kann und wohl bis zu 2 Jahren dauert.

Doch so gut das Gespräch auch gelaufen ist - mein Körper ließ sich davon nicht beeinflussen, der hat hinterher alle Register gezogen mit Angst, tiefer Depression und heftigen körperlichen Symptomen. Dazu kamen noch massivere Schlafstörungen und schlimme Alpträume jede Nacht ...

Am Wochenende ging gar nichts mehr. Ich hätte tagsüber nur noch schlafen können, nachts ging es ja kaum. Am Sonntagnachmittag schließlich saß ich total erstarrt auf dem Sessel und konnte gar nichts mehr tun. Nach 1 oder 2 Stunden hatte ich die Idee, bei der Telefonseelsorge anzurufen, doch ich war nicht in der Lage aufzustehen. Zum Glück lag vor mir auf dem Tisch mein Adressbuch, das ich diesen Sommer neu angelegt habe. Das hab ich durchgeblättert, bis ich eine Freundin gefunden habe, die ich mich getraut hab, in diesem Zustand anzurufen. Ich wusste, dass es ihr zur Zeit auch nicht gut geht. Sie macht gerade eine üble Trennung durch. Doch ich hoffte, dass sie mich versteht. Hab sie auch wirklich erreicht und sie hat mir erzählt, wie es ihr in letzter Zeit ergangen ist. Das hat mich soweit abgelenkt, dass ich mich wieder etwas bewegen konnte. Hab ihr gar nichts weiter von mir erzählt, außer dass es mir nicht gut geht, hab viel zugehört. Und zwischendurch konnte ich auch auf sie eingehen, manchmal sogar lachen. Jedenfalls hat es mir gut getan, mit jemanden zu reden.

Nach dem Telefonat konnte ich aufstehen und hab mir dann was heißes zu trinken gemacht und danach sogar aufgewaschen.

 

Ich hänge wieder in einem richtig tiefen Loch drin. Schon kurze Zeit nach einer wirklich tollen Silversterwoche mit und bei sehr guten Freunden bin ich total abgestürzt.

Einerseits ist es toll, in netter Gesellschaft zu sein, wo einen die Leute mögen und einen so nehmen, wie man ist. Es war wie in einer ganz anderen Welt.

Doch zu Hause war wieder die Realität und die Erkenntnis, dass ich total unnormal bin, dass ich wohl nie soweit komme, liebe Freunde einfach mal zu mir einzuladen, zu feiern, normal zu arbeiten, zu leben ... einfach zu leben ohne diese ständige Scheißangst, ohne diese wiederlichen Träume, ohne diese Schmerzen ... Endlich meinen Alltag in den Griff bekommen, den Tag und meinen Haushalt schaffen, die Wohnung so hinbekommen, dass man ohne sich zu schämen, Leute einladen kann ...

 

Morgen, d.h.eigentlich schon heute, kommt die Sozialarbeiterin und will mit mir den Sozialhilfeantrag ausfüllen. Ich bin ja froh, dass ich die angekündigten 11 Seiten (die spinnen doch!!!) nicht alleine durcharbeiten muss, doch ich hab echt Angst, sie hier reinzulassen.

Hab gestern in einer Hauruckaktion mein Bett auseinander genommen, weil mein Schlafzimmer total vollgemüllt ist, d.h. es stehen immer noch massig unausgepackte Bücherkisten und Kartons rum. Außerdem ist es an einer Seite kaputt, mal schaun, ob ich es reparieren kann. Nun stehen teilweise Kartons im Schlafzimmer, ein Teil in der Wohnstube, im Flur muss man sich an den Bettteilen vorbei quälen ... Chaos pur. Und dann kommt am Nachmittag auch noch der Handwerker, der sich die verschimmelten Wände ansehen will. Im Schlafzimmer ist nämlich jetzt auch noch eine Außenwand befallen. D.h. ich muss ihn morgen durch die ganze Wohnung führen, weil in Küche und Bad bei den Fenstern auch Schimmel ist und in der Wohnstube die Wand hinterm Sofa. Chaos überalll! Ich hoffe nur, sie denken nicht, dass es bei mir immer so aussieht!

Also es sieht schon schlimm aus bei mir, doch ganz so extrem wie im Moment nicht. Bisher war zumindest außer der Schlafstube alles vorzeigbar, nicht gemütlich, weil zu vollgestopft, aber betretbar.

Am liebsten würde ich alles absagen und mich nur noch im Bett verkriechen!!!

28.1.10 00:35

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