Kalt erwischt

Hatte heute mal wieder eine Panikattacke vom Feinsten. Keine Ahnung, wo die plötzlich herkam. Ich weiß noch, ich habe ferngesehen, irgendeine Serie; dann, als sie vorbei war, tauchte ich aus einem Disszustand auf, lief wie benebelt durch die Wohnung, hab versucht, mich durch Hausarbeit wieder zu erden, wollte aufwaschen, Essen kochen … tausend Gedanken rasten durch meinen Kopf, das Bett steht noch in Einzelteilen herum, -zig Kisten türmen sich im Schlafzimmer, in der Waschmaschine steht immer noch ein Rest Wasser, sie haben nicht angerufen, um die Kühltruhe abzuholen, am Mittwoch kommt jemand um die Heizung abzulesen ... und dann bekam ich kaum noch Luft, zitterte, konnte kaum klar denken … was mach ich bei Panikattacken? Es gibt doch keinen Grund! Wie war das mit dem Atmen? Ich muss das nachlesen! Dieser Tinitus! Ganz ruhig bleiben! Was hab ich falsch gemacht? Doppelt solange ausatmen, wie einatmen. Wieso hab ich dissoziiert? Ich habe ein Lesezeichen auf die Seite gesetzt, wo die Atemübung steht. Mein Sohn soll nix merken. Ganz ruhig atmen. Am liebsten würde ich mich hinlegen und entspannen, aber ich muss doch was für C. kochen, habs doch versprochen. Was geht schnell und einfach? Langsamer ausatmen, genau: doppelt so langsam ausatmen wie einatmen. Ich weiß, dass hinlegen nicht hilft … es wird nicht schlimmer, das atmen hilft … zwischendurch hab ich was zu meinem Sohn gesagt, er weiß Bescheid … will, dass ich mich hinlege. Nein, ich mach Essen, das lenkt mich ab. Ich finde die Seite nicht, suche bei Google, schließlich habe ich einige Seiten … wieso schreiben die so ellenlangen Mist? Wo steht die Atemanleitung??? Endlich finde ich die richtige Stelle: genau: durch die Nase einatmen, tief in den Bauch, schnüffeln, am besten etwas riechen, z.B. Aromaöl. Wieso hab ich das vergessen??? Ich atme tief und langsam durch die Nase ein und ganz langsam durch fast geschlossene Lippen wieder aus. Hab es ja fast schon von allein richtig gemacht. Die Würstchen sind fertig, der Kartoffelbrei auch. Igelwürstchen, wie ich sie meinen Jungs manchmal gebraten hab, als sie noch klein waren. Ich glaube, mein inneres Kind freut sich. Langsam ebbt die Panik ab, bin ziemlich müde, erschöpft wahrscheinlich, die Gegend um mein Brustbein herum tut sehr weh, als hätte mir einer einen Faustschlag versetzt. Hab gar keinen Hunger, aber ich lasse mir von meinem Sohn doch einen Löffel voll Kartoffelbrei bringen und esse ein ganzes Igelwürstchen. Danach lege ich mich auf die Couch und kuschel mich in eine Decke. Ein wenig lesen wird mich ablenken, „Der kleine Hobbit“ ist zur Zeit dran. Doch nach wenigen Zeilen werde ich so müde, dass ich vor mich hindämmere, mein Sohn hat ruhige Musik angestellt, er ist ein Schatz, irgendwann bin ich sogar kurz eingeschlafen.


Nun geht die Grübelei wieder los: Warum ist das passiert? Was habe ich falsch gemacht? Blablabla …

Um den Kreis aus Selbstvorwürfen bis zum Selbsthass zu durchbrechen, hab ich mich entschlossen, den ganzen Kram lieber aufzuschreiben. So nun steht es hier. Jetzt mach ich mir einen schönen Cappu, gönn mir ein Spielchen und stöbere noch etwas im web rum. Vielleicht schau ich ja gerade bei Dir vorbei?

12.1.09 16:57

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Shiva (13.1.09 04:51)
Genau, keine Selbstvorwürfe, die helfen nicht

Weisst du eigentlich, wie super du diese Attacke gemeistert hast? Und dabei auch noch so viel gemacht, das bewundere ich wirklich (:

Du bist so ein starker Mensch, das finde ich auch bewundernswert. Du hast so viel Mist hinter dir und wenn ich dich auf RPPs erlebe, lachst du immer noch so wunderschön und frei :D
Singen wir nächsten Sommer wieder laut zusammen? *lach*


Daisy (13.1.09 19:29)
Hullo,
habe gerade über Saby deinen blog gefunden *g*.
Ich hoffe es ist recht, wenn ich auch vorbeischaue.
Du kennst dich aus mit Panikattaken und weißt, dass die NICHT davon kommen weil MAN etwas falsch macht *flausch*

lieben Gruß
Beate

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